Wo Räder Geschichten erzählen: A Riders Journey with Tobias Woggon
von und mit Tobias Woggon zurück in Island – diesmal auf dem eBike
Vor Acht Jahren war ich schon einmal in Island unterwegs. Damals habe ich Magne Kvam kennengelernt – einen dieser Menschen, die eine Landschaft nicht nur kennen, sondern leben. Schon bei dieser ersten Reise hatte mich die Weite, das Licht und die rauen Trails nicht mehr losgelassen. Jetzt wollte ich zurückkommen. Ich wollte sehen, wie sich Island als Bike-Region entwickelt hat – und ob der Zauber noch derselbe ist.
Unser erster Stopp führte uns wieder zu Icebike Adventures, dieses mal zum neuen HQ nach Hveragerði. Vieles war vertraut, manches neu. Das Trailnetz rund um den Ort war gewachsen, feiner abgestimmt, noch flowiger. Magne und seine Crew hatten in den letzten Jahren unzählige Stunden in die Vulkanhänge investiert. Was früher noch roh und experimentell wirkte, fühlte sich jetzt wie eine gewachsene Bike-Destination an – ohne dabei ihren wilden Charakter zu verlieren.
Gleich am ersten Tag rollten wir mit dem eBike hinauf ins Reykjadalur-Tal. Während sich die Wanderer Schritt für Schritt den Berg hinaufarbeiteten, glitten wir deutlich schneller nach oben. Oben dampfte der Fluss wie eh und je. Wir ließen die Beine ins heiße Wasser sinken und mussten grinsen: Manche Dinge ändern sich eben nicht.
Das Wetter allerdings zeigte uns schnell, dass Island noch immer Island ist. Regen kam waagerecht, Windböen rüttelten an unseren Helmen, und wir fragten uns mehr als einmal, warum wir uns das freiwillig antun. Doch die Trails überraschten uns erneut – trotz Dauerregen blieben sie griffig. Abends hingen wir unsere nassen Sachen über die Heizung und spürten dieses zufriedene Ziehen in den Beinen.
Ein paar Tage später zog es uns weiter zur Iceland Bike Farm. Auch hier hatten sich die Möglichkeiten erweitert. Neue Verbindungen, mehr Flow, liebevoll angelegte Lines durch grüne Hügel. Und dann war da wieder dieses typisch Isländische: absolute Natur, kaum Menschen, unendlicher Raum. Der Trail-Dog Mosi begleitete uns mit grenzenloser Energie – mal direkt neben uns, mal am Horizont, um ein Schaf zurückzutreiben.
Ein besonderes Kapitel unserer Reise war der Abstecher zum Múlagljúfur Canyon. Wir fragten uns, ob der Hype gerechtfertigt sei. Der Uphill war technisch anspruchsvoll, aber mit Motorunterstützung machbar. Oben standen wir sprachlos am Rand des Canyons. Diese Szenerie hatten wir so nicht erwartet – selbst nach unserer ersten Islandreise.
Richtig deutlich wurde die Entwicklung Islands als Bike-Region jedoch im Hochland, vor allem rund um Landmannalaugar. Die Infrastruktur ist besser organisiert, Informationen zugänglicher, und dennoch bleibt alles elementar und ungezähmt. Wir fuhren Abschnitte des Laugavegur, durch Lavafelder und vorbei an dampfenden Hängen. Immer wieder hielten wir inne, nicht nur wegen der Aussicht, sondern auch, um zu begreifen, wie besonders es ist, hier unterwegs zu sein.
Unser emotionaler Höhepunkt wartete schließlich in Þórsmörk. Mit Blick auf den Eyjafjallajökull und die Gletscherzungen des Mýrdalsjökull fuhren wir schmale, ausgesetzte Trails, die uns volle Konzentration abverlangten.
Als wir dort oben kurz anhielten, wurde uns klar: Island hat sich als Bike-Region weiterentwickelt. Die Trails sind zahlreicher, die Angebote professioneller. Aber das Entscheidende ist geblieben – diese rohe, unberechenbare Natur, die nichts schenkt und genau deshalb alles bedeutet.
Und wir wussten: Wir würden wiederkommen.

Über Tobi
Tobias Woggon ist ehemaliger Enduro-Rennfahrer, Abenteuersportler und visueller Geschichtenerzähler. Mit dem Fahrrad erkundet er seit Jahren entlegene Regionen der Welt – auf der Suche nach rauen Landschaften, stillen Momenten und echten Begegnungen. Seine Geschichten verbinden sportliche Leidenschaft mit eindrucksvoller Bildsprache. Island ist für ihn kein Reiseziel, sondern ein Ruf, dem er immer wieder folgt.










